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Reisebericht Pfingsttour

Juni 1st, 2010 · Keine Kommentare

Es ist jetzt noch einen knappen Monat hin, ehe die grosse Tour startet – und für mich mit meinen 52 Jahren wird es das grösste sportliche Vorhaben seinb, das ich je angegangen bin. Und neben Training und Vorbereitung zuhause – mit Stepper, Hometrainer und anderem – ist mir auch wichtig gewesen, meinen Piloten Uwe vor der Tour nicht nur per Telefon zu kennen. Und da Uwe mit Freunden über Pfingsten sowieso eine Tour geplant hatte, wurde daraus der Plan, dies auch als Probetour für uns zu nutzen und erste gemeinsame Erfahrungen mit dem Tandem zu sammeln.

Am Freitag bin ich also mit dem Zug in Dresden angekommen, und wir haben noch einige nötige Materialeinkäufe gemacht. Samstag ging es dann nach einem gemütlichen Frühstück im Sonnenschein los – neben dem Tandem waren am ersten Tag noch drei auf Einzelrädern, ab dem zweiten Tag fünf. Wetter war ideal, die Steigungen weniger. Beim Tandem liegt der Schwerpunkt eh schon weiter hinten, was ja am Berg von Nachteil ist, – aber wir hatten auch je zwei Packtaschen vorn und hinten sowie einen Anhänger für Zelt, Kocher, Schlafsäcke und Isomatten. Ergebnis:: bergauf hingen wir immer hinten an und war es auch ganz gut anstrengend – und bergab waren wir aufgrund unserer Masse gut schnell.

Stimmung war von Anfang an gut – für mich natürlich wichtig vor alem, dass ich Uwes ruhige Art sehr schätze und wir so sehr schnell ein gutes Team wurden. Abends fanden wir auch einen schönen Zeltplatz in einem Wäldchen etwa 10 km vor Bautzen – und nachts ein ordentlicher Regen, aber die Zelte waren gut und haben uns trocken gelassen.

Beim Start am zweiten Tag haben wir uns einmal hingelegt; der Lehm-Sand-Boden war nach dem Regen fast wie Schmierseife, und so waren dies auch die einzigen 300 Meter, die wir dann doch lieber geschaoben haben. In Bautzen Treffen mit den anderen, die aus Dresden nachkamen, und Frühstück in der Nähe des Bahnhofs – bei einem von der Akustik her schönsten Brunnen, die ich kenne: auf dem Boden sitzend und das Gefühl, von allen Seiten von Wasser umgeben zu sein und so die Autos auch kaum noch zu hören – ein akustischer Traumort!!!

Auch an diesem Tag war das Wetter klasse; auch wenn die Sonne nur halb draussen war, reichte es doch für einen kleinen Sonnenbrand. Unser Zeltplatz war am Waldrand mit einem weiten Überblick über Landschaft und einen See – auch wenn ich ausser Lichtschein nichts mehr weiter optisch wahrnehmen kann – mit Hören, Fühlen, Schnuppern und der Kraft der Phantasie ging es ganz gut, die Besonderheit dieses Platzes, seine Schönheit zu spüren. Es ist auch einer der in Deutschland ja leider seltenen Orte, an denen kein Autoverkehr mehr zu hören war, nur gelegentlich in der Ferne Flugzeuge. So war es eben die Konzentration auf die Geräusche des Waldes, den Wind und uns selber. Nachts wieder Regen, der nächste Morgen wunderschön, mit den tollen Gerüchen von Pflanzen – nach Regen sind diese Gerüche ja immer besonders stark – und ziemlich bedeckt, sodass keiner mehr ein Bad im See nehmen wollte. Start im Nieselregen, der dann auch bald stärker wurde- – also jetzt auch der Testlauf für unseren Regenschutz. Und dann, etwa 15 km nachdem wir Görlitz passiert hatten, bei einer gar nicht so starken Steigung ein Kettenriss – bei einem gerade ein paar Wochen alten bzw. neuen Tandem doch eher überraschend für uns. In einem Buswartehäuschen – bei starkem Regen und Gewitter – gelang die Notreparatur mit Herausnehmen von zwei Kettengliedern. Da Uwe und ich sowieso an diesem Tag nach Dresden zurückfahren mussten, war am Montagnachmittag der Abschied von den anderen, die in Richtung Norden weiterfuhren, während es für uns nach Görlitz zurück ging – weiterhin mit starkem Regen und Gewitter.

Regentest für Zelt und Kleidung, doch ganz ordentliche Steigungen und schliesslich der Kettenriss – wir haben in den drei Tagen doch schon mal einiges geprobt, womit wir dann auch auf der grossen Tour zu tun haben werden.

Insofern hat sich mein Grundgefühl, die 2.200 km von Dresden bis Helsinki wirklich schaffen zu können, schon gesteigert – und auch die vorfreude auf die Tour. Wie sehr in diesen Tagen das Eintauchen in die Natur richtig schön Abstand geschaffen hat, habe ich bei meiner Rückkehr nach Bodenfelde gemerkt: auch wennich nur von Freitag bis Dienstag weg gewesen bin – bei der Ankunft hier hatte ich das Gefühl, dies wären zwei bis drei Wochen gewesen.

Kurz: ich freue mich auf die Herausforderung, die diese Tour schon für mich bedeutet – und ich freue mich, dass ich mich darauf einlassen konnte…

Norbert Kather

Tags: Fahren · SkandinavienTandemTour2010

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